Die C-Klasse als Trendsetter in Sachen Antriebstechnik

Die C-Klasse als Trendsetter in Sachen Antriebstechnik

1. Februar 2019 0 Von Marcel Odenthal

Dieselmotor OM 601 des Mercedes-Benz 190 D (W 201).

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Baureihe 201 haben von 1983 an die damals neu entwickelten Dieselmotoren mit vier (OM 601) und fünf (OM 602) Zylindern. Sie haben alle Merkmale eines modernen Selbstzünder-Antriebs: geringer Kraftstoffverbrauch, geringerer Schadstoffausstoß, geringere Reibleistung, geringe Geräuschemission. Und das bei höherer Motorleistung und höherem Drehmoment. Der aufgeladene Variante des OM 602 mit Turbolader löst zudem erfolgreich das Image auf, dass ein Dieselfahrzeug eine eher behäbige Angelegenheit ist: Den 190 D 2.5 Turbo, 1986 präsentiert, bringt er in nur 11,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Berühmt ist zudem die Kapselung der Dieselmotoren in der Baureihe 201, um die Geräuschemission herabzusetzen: „Flüsterdiesel“ lautet der resultierende Ehrenname der Fahrzeuge. Die Geräuschkapselung ist generell eine wichtige Erfolgsmarke auf dem Weg des Dieselmotors hin zu größerer Akzeptanz und zu höheren Stückzahlen.

Für eine große Premiere steht dann die Baureihe 202 bereit: Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main im September 1997 läutet Mercedes-Benz mit dem ersten Pkw-Dieselmotor mit Common-Rail-Einspritzung eine neue Epoche ein. Der OM 611 im C 220 CDI ist der erste Vertreter nach diesem Prinzip, das den Dieselantrieb revolutioniert und bis heute das tragende Einspritzkonzept im Selbstzünder ist. Mit ihm wird der Dieselmotor noch sparsamer und kann noch exakter auf geringe Emissionen hin entwickelt werden. Und das Mercedes-Benz Kürzel „CDI“ wird zu einem Synonym für effiziente Antriebe. In der C-Klasse der Baureihe 203 ab dem Jahr 2000 sind dann sämtliche Dieselmotoren durch solche nach dem Common-Rail-Prinzip abgelöst.

Die C-Klasse der Baureihe 204 darf Ende 2008 eine nächste große Premiere präsentieren: Den Motor OM 651, der mit neuester Technologie hohe Leistung, hohes Drehmoment, geringen Verbrauch und geringe Emissionen vereint und später seinen Weg sogar in die S-Klasse findet und aus ihr das erste Oberklasse-Fahrzeug mit Vierzylindermotor macht. Einen besonderen Spaß machen sich die Ingenieure, indem sie in einen Versuchsträger den OM 651 in einen W 201 aus dem Jahr 1982 einbauen – zum einen, um dessen Rolle als Pionier der Dieseltechnik herauszustellen, und zum anderen, um den Fortschritt auf dem Gebiet des Selbstzünders innerhalb von 25 Jahren zu unterstreichen.

Mit Benzinmotoren kräftig voran

„Business as usual“ – diese Devise gilt in der Baureihe 201 zunächst auf dem Gebiet der Benzinmotoren. Seine Aggregate sind aus anderen Fahrzeugen von Mercedes-Benz bekannt. Ein Paukenschlag erfolgt dann mit der Vierventilversion des Motors M 102, der 1983 im Typ 190 E 2.3-16 seine Premiere erlebt: Er ist nicht nur der erste serienmäßig gefertigte Benzinmotor mit vier Ventilen für einen Personenwagen von Mercedes-Benz, sondern mit insgesamt 19.487 gebauten Fahrzeugen auch ein Erfolg. Dieser Motor wird zur Basis für weitere Serienentwicklungen von Vierventilmotoren, die heute längst zum technischen Allgemeingut gehören.

1995 besinnen sich die Konstrukteure von Mercedes-Benz auf die legendären Kompressormotoren mit mechanischem Lader. Die Renaissance dieser Technik in den Personenwagen beginnt mit dem 2,3-Liter-Vierzylindermotor M 111, der auf der IAA 1995 im C 230 Kompressor seine Serienpremiere erlebt. Das Triebwerk ist rund ein Fünftel sparsamer als ein gleich starker Saugmotor. Die Technik verbindet ein hohes Drehmoment mit günstigem Verbrauch und geringen Emissionen.
Am andere Ende der Leistungsskala ist der 1997 präsentierte C 43 AMG angesiedelt: Er ist das erste Fahrzeug der Kompaktklasse von Mercedes-Benz mit einem V8-Motor. 225 kW (306 PS) sprechen eine deutliche Sprache und vor allem die von AMG, der Performance-Marke von Mercedes-Benz. Der Typ C 63 AMG (Baureihe 204) setzt diese Tradition ab 2007 sehr eindrucksvoll fort. Sein 6,2-Liter-V8-Motor M 156 ist das bis heute hubraumgrößte und drehmomentstärkste Triebwerk in einem Fahrzeug der Kompaktklasse.

Elektroantrieb in den Baureihen 201 und 202

Nicht nur mit Verbrennungsmotoren setzte Mercedes-Benz in seiner Kompaktklasse immer wieder Akzente – auch mit alternativen Antrieben. Sie weisen den Weg in die automobile Zukunft. So wird 1990 auf dem Innovationsmarkt der Hannover-Messe sowie 1991 auf dem Genfer Automobil-Salon ein Versuchs-Pkw auf Basis der Baureihe 201 präsentiert, bei dem zwei aus Natrium-Nickelchlorid-Batterien gespeiste permanentmagnetisch erregte Elektromotoren mit je 16 kW (22 PS) Leistung jeweils ein Hinterrad antreiben. Als besonderer Vorteil erweist sich bei dieser Konstruktion der Wegfall gewichtsintensiver mechanischer Komponenten. Das Fahrzeug ebnet den Weg für Weiterentwicklungen auf dem Gebiet des Elektroantriebs.

 Erprobungsfahrzeuge mit Elektroantrieb. Rot: Typ 190 (W 201), 1991. Grün: C-Klasse (W 202) mit ZEBRA-Batterie, 1993.

1992 bis 1996 findet auf der Insel Rügen ein Praxistest mit 60 Personenwagen und Transportern diverser Hersteller statt. Mercedes-Benz beteiligt sich an der auf vier Jahre angelegten Erprobung unter anderem mit 10 Personenwagen der Baureihe 201 mit unterschiedlichen Elektromotor-Batterie-Kombinationen. Eines dieser Fahrzeuge wird besonders intensiv genutzt und kommt auf Rügen auf eine Jahreslaufleistung von 100.000 Kilometern.

Erprobungsfahrzeug Typ 190 (W 201) mit Elektroantrieb beim Großversuch auf Rügen, 1992 bis 1996

Sieben der etwa 1.400 Kilogramm schweren Elektro-190er haben eine Natrium-Nickel-Chlorid-Hochtemperaturbatterie, dienen der Erprobung verschiedener Asynchronmotoren und erreichen eine Reichweite von rund 110 Kilometern. Sie kommen aufgrund der Drehmomentcharakteristik ihres Antriebs ohne Getriebe aus. Drei Versuchsfahrzeuge mit Synchronantrieben verfügen über Nickel-Cadmium-Batterien mit einer Reichweite von etwa 40 Kilometern; sie haben ein normales Schaltgetriebe. Alle Fahrzeuge haben zwei Batterien – eine im Vorderwagen und eine im Kofferraum –, die angesichts von Spitzenströmen von bis zu 400 Ampere über sehr leistungsstarke Kabel verbunden sind. Geladen werden die Fahrzeuge an speziellen Tankstellen mit Sonnenkollektoren, um die Umweltgedanken konsequent zu erproben.

Im Jahre 1993 wird auf der IAA auf Basis der Baureihe 202 dann ein Elektrofahrzeug mit einem Asynchronmotor mit 35 kW (48 PS) Motorleistung und einer Reichweite von rund 110 Kilometern präsentiert. Als Energiespeicher dienen leistungsfähige ZEBRA-Hochenergiebatterien; das Akronym steht für „Zero-Emission Battery Research Activities“. Eine Besonderheit dieses Fahrzeugs ist die innovative Platzierung der Batterien und Antriebsaggregate, die aufgrund ihrer Baugröße und der Einbauorte ein Raumangebot sicherstellen, das der Serienlimousine ebenbürtig ist. Ebenfalls auf der IAA stehen zwei frühe Forschungsfahrzeuge mit Hybridantrieb auf Basis der Baureihe 202: einer mit einem Parallel-Hybridantrieb, der andere mit einem seriellen Hybridantrieb. Beide liefern wichtige Erkenntnisse für die mehrere Jahre später erfolgende Serieneinführung der Hybridtechnik bei Mercedes-Benz.

Erprobungsfahrzeug Typ 190 (W 201) mit Elektroantrieb

Die Baureihen 201 und 202 sind somit Technik-Pioniere: Sie dienen der frühen Erprobung des Elektro- und Hybridantriebs im Pkw. Dieser Pioniergeist lebt in allen späteren Fahrzeugen mit zukunftsweisenden Antrieben von Mercedes-Benz weiter, ob Erprobungsträger oder schließlich Serienfahrzeug.

Quelle: Daimler AG